Unter diesem Motto könnt Ihr, auch gemeinsam mit Anderen, Texte schreiben und Kurzgeschichten entwickeln.
Ihr könnt zu Papier bringen, was Euch schon oft beschäftigt hat, was Ihr schon immer einmal sagen wolltet.
Der 21-jährige Student Michail unterstützt Euch dabei und vermittelt nützliche Tipps.
Michail selber schreibt Kurzgeschichten und wird Euch diese auch vorstellen; einen Einblick könnt Ihr hier in seinen Text „Die Befreiung“ erlangen- schaut einfach mal rein.
Eure Geschichten können dann beim Jugendkulturfestival präsentiert werden.
Als Präsentationsform ist vieles denkbar – vielleicht habt ihr Spaß daran, die Story auf Band zu sprechen oder diese an die Wand zu projizieren …
Wenn Ihr also Lust auf kreatives Schreiben habt, dann sagt uns doch einfach kurz Bescheid.
E-Mail: info@sinn-flut.de
Mobil: 0151 267 257 65
Die Befreiung
1
Ich betrete die Straße. Menschen gibt es keine. Autos auch nicht. Eine so gewaltige Stille habe ich noch niemals in meinem Leben vernommen. Vielleicht scheint es mir aber einfach nur so.
Ohne nachzudenken und mich umzublicken gehe ich los. Wie von einer höheren Kraft gesteuert.
Aus welchem Haus bin ich überhaupt herausgekommen?
An den gestrigen Abend kann ich mich nicht erinnern. Einige mir nichts sagende Bildfetzen schießen durch meinen Kopf, verlassen ihn jedoch genauso schnell.
Es herrscht eine unangenehme Kälte. Ich verstecke meine Hände in den Hosentaschen und versuche sie zu ignorieren.
Beim Ausatmen bildet sich jedes Mal eine große weiße Wolke, die sich fast sofort auflöst.
2
Nach einiger Zeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkommt, schaue ich mich um.
Müll auf der Straße, dreckige Häuser, Verwüstung. Meine Schritte verlangsamen sich. Ich staune. Ich finde keine einzige Spur von Menschen. Wohnt hier überhaupt jemand? Ich spüre nur eine gigantische Leere. Es riecht nach seelischem Schmerz.
So schreite ich ahnungslos weiter. Die Umgebung verändert sich kein bisschen. Womöglich drehe ich mich im Kreis.
Beim Anblick einiger Häuser bekomme ich das Gefühl, sie schon irgendwo gesehen zu haben. Und immer noch umhüllt diese völlige Stille das Viertel.
Sodann suche ich nach einem Café oder einem Geschäft, um mich aufzuwärmen. Vergeblich. Es befinden sich dort keine.
3
Plötzlich bleibe ich mitten auf der Straße stehen. Der kalte Wind brennt auf meinem Gesicht. Zunächst begreife ich nichts. Was soll das alles hier?
Ich betrachte den grauen Asphalt, dann wandert mein Blick nach rechts und eine offene Haustür eines sehr veralteten Mehrfamilienhauses gelangt in mein Blickfeld.
Nach einem kurzen Zögern laufe ich zur Tür und betrete das nicht wesentlich, aber doch schon wärmere Treppenhaus. Meine Augen durchfliegen es kurz und ich setze mich anschließend auf die Treppe.
Ein undefinierbarer Geruch breitet sich in meiner Nase aus. Ich fühle mich eigenartig.
Ich lege meinen Kopf in meine Hände und schließe die Augen.
Es vergehen mehrere Minuten.
Und dann passiert es.
Ich öffne meine Augen und ein grelles weißes Licht durchflutet die ganze Umgebung. Alles weiß. So etwas Einzigartiges erlebe ich zum ersten Mal. Als ob mich die Atmosphäre aufsaugt und die Welt bewegungslos zuschaut.
Eine sogar noch größere Stille als vorher wickelt mich ein. Nichts regt sich.
Langsam falle ich auf die Knie, ohne auch nur darüber nachzudenken oder nach einem Grund zu verlangen. Einfach so. Dann befreit etwas meine Seele.
Ich fange an, lautlos zu weinen. Meine Augen werden ganz nass und alles in mir schwimmt.
Die Tränen fließen von meinen Backen hinunter und stürzen geräuschlos zu Boden. Und mit ihnen all meine Illusionen und jegliche auf mir lastende Probleme.
Nach vielen unzähligen Minuten bin ich so frei wie noch nie.
Ich verfalle mit einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht in einen kurzen Halbschlaf.
4
Beim Wiedererlangen der vollen Besinnung richte ich mich auf und verlasse das mittlerweile normal aussehende Treppenhaus.
Draußen merke ich, dass die große Kälte von mir weicht und eine wohlige Wärme meine Seele füllt.
Plötzlich entdecke ich eine Telefonnummer auf meiner Handfläche. Eine Telefonnummer, die jemand auf meine Handfläche schrieb, mit einem schwarzen Stift.
Aber wer und wann? Lange starre ich die Zahlen an.
Am Ende der Straße steht eine Telefonzelle. Als ich sie betrete, wundere ich mich, dass das Telefon funktioniert.
Ich werfe ein paar Münzen hinein und wähle die Nummer auf meiner Hand.
Die Töne des Telefons kommen mir unglaublich laut vor, tun meinen Ohren sogar weh.
Sie nimmt ab.
„Wo bist du gewesen?“, fragt sie.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen